Hühner, Strand und Lagerfeuer

Ich bin noch in meiner Traumlandschaft, als ich ein ununterbrochenes Miauen höre. Natürlich, Thea möchte gestreichelt werden. Inzwischen bin ich auch wach. Und als ich aus dem Fenster schauen und die Sonnenstrahlen sehe und die warme Luft spüre, stehe ich müde und viel zu früh geweckt auf. Schon am Frühstückstisch merke ich, dass dies ein ganz besonderer Tag ist. In meiner Euphorie mache ich mich auf zu einem „kleinen Spaziergang“. Helene hat mir mal gesagt, wenn ich aus der Haustüre rechts gehen, und dann immer bei Weggablungen links gehe, dass das eine sehr schöne Tour ist. Als ich das zweite Mal links abbiege, stehe ich nach ein paar Metern mitten im Wald umgeben von Grün und Vogelgeräuschen. Es gibt auch keinen richtigen Weg mehr und so gehe ich einfach gerade aus. Irgendwann komme ich auch wieder auf einen Weg. Ich habe keine Ahnung, wo ich bin oder wo ich hin muss und so entschließe ich mich, einfach weiter dem Weg zu folgen und nach 20 min biege ich bei der Weggabelung links ab. Nun habe ich auch wieder so eine Ahnung, wo ich bin. Mich überkommt ein lächeln. Denn ich erlebte schon öfters, dass ich keine Ahnung hatte, wo ich war und einfach geradeaus gegangen bin. Am Ende habe ich immer mein Ziel erreicht. Nach etwa einer Stunde bin ich dann auch wieder zu Hause.

Helene ist gerade auf dem Weg zum Auto und will drei weitere Hühner kaufen. Ich setze mich zu ihr ins Auto und gemeinsam wir fahren zum Hühnerbauern. Dort schnappt dieser sich beliebig drei Hühner, packt sie in unserem Hundekorb, wir bezahlen und fahren wieder Heim. Dort erwartet uns Christian. Erst renne ich mit ihm um die Wette und pflücken dann Himbeeren und Weintrauben, dann benennen wir die Hühner. Meines heißt Ruby, ich weiß nur nicht mehr, welches meines ist… Sie sehen nämlich alle identisch aus.

Als nächstes schnappe ich mir eine Banane und eine Decke und lege mich raus in unseren Garten an den Teich. Ich höre Philip, wie er mit einem kleinen Traktor den Rasen mäht und dann kommt Christian zu mir – besser gesagt, er fährt auf einem Mini-Trator in Kreisen um mich herum. Das ist definitiv äußerst witzig zu betrachten. Denn er schaltet immer zwischen den zwei Gängen hin und her, was dazu führt, dass er jeden Augenblick einen kleine Hops mit seinem Traktor vollbringt.

Als ich gerade meine Sachen zusammenpacke und auf mein Fahrrad steigen will, gibt es Mittagessen. So genießen wir Smørrebrød (belegte Brote) auf quasi Liegestühlen. Doch leider muss ich dann doch auf mein Fahrrad und zum Bahnhof, weil ich mich noch mit Freunden in Odense treffe. Von dort fahren wir quer über die Insel in den Süden in ein kleines süßes Hafenstädtchen, in dem Samstag Nachmittag kein Geschäft mehr offen hat. Nachdem wir das festgestellt haben, wollen wir dann doch nochmal an dem Strand, der nur leider 40 min zu Fuß entfernt ist. Und so gehen wir da, mit Karte und Kompass durch den Dschungel. (eigentlich mit einem Navi durch einen idyllischen vergrünten Parkweg) Am Strand angekommen, bemerken wir, dass wir unsere Badesachen vergessen haben und so bleibt uns nichts anderes übrig, als den Sonnenuntergang gemütlich zu bewundern. Zurück zum Bahnhof gehen wir am Meer entlang. Die ganze Zugfahrt über wird es jeden Augenblick dunkler. Nun wird es immer früher und immer schneller dunkler. In Odense angekommen mache ich das, was ich hier schon oft gemacht habe und was nicht zu meiner Lieblingsbeschäftigung gehört. Ich warte. Doch Freunde warten mit mir und so genieße ich das erste Mal wieder eine Stadt am Abend mit all ihren Lichtern und magischen Momenten. Und da ist mir wieder bewusst geworden, wie sehr ich es mag, eine „Großstadt wie Odense“ bei Nacht zu erleben. Abends daheim angekommen, haben wir noch ein Lagerfeuer mit Tee, Keksen, Marshmellows und Sternenhimmel.

Wenn ich ins Feuer schaue, erinnere ich mich an so viele Momente, die ich in den letzten Jahren erlebt habe. Denn das Feuer ist auf Pfadi-Lagern abends immer da. Das Feuer ist sozusagen die Schale aller Erinnerungen. Und das Feuer sieht überall gleich aus, egal ob man in Deutschland, Japan oder hier in Dänemark ist. Das einzige was ich an diesem vollkommen hyggeligen Tag noch mache, ich lege meinen Kopf in den Nacken und schaue in die Sterne.

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