Herbstzeit

…durchjagt den Norden. Und es wird immer kälter und früher dunkel und viel später hell. Und immer gemütlich drinnen. Ich war nun auch mein erstes Mal hier mit den Spejder (Pfadis) nachts unterwegs. Wir sind nachmittags in drei Auto in den Osten von Dänemark gefahren und haben dort 230 andere Spejder getroffen. Wir traten in 14 verschiedenen Patrulien an und es galt den Pokal zu gewinnen. Gemeinsam ließen wir mit genau berechneten Druck und der richtigen Menge Wasser eine Flasche mit einer Art Katapult auf das leuchtende Ziel im Dunkeln fliegen. Wir rannten auch mal im Stockdusteren ohne Licht durch den Wald und ich hatte meistens auch keine Ahnung warum. Und das allerbeste: Es hat so riesengroßen Spaß gemacht! Am Ende gab es noch die besten Fleischbällchen mit Semmel am Lagerfeuer und passend zum Thema James Bond Musik. Danach sind wir dann wieder erschöpft und glücklich über den zweiten Platz nach Hause gefahren. Es war wunderbar und meine Spejder-Gruppe ist definitiv die beste, die man sich wünschen kann! Auch hier daheim bei Familie Seefeldt ist es herbstlich gemütlich geworden. Heute Nachmittag gab es Lagerfeuer mit Marshmellows und Kürbisse für Halloween wurden „vergruselt“.

Magie und Glücklichsein

Nun ist ja schon eine ganze Weile, dass ich hier in Dänemark bin – 3 Monate. Austauschschüler zu sein ist wie eine bestimmte Tätigkeit, die man 24 Stunden am Tag macht. Man steht aus dem Bett auf, geht zur Schule, nimmt an Aktivitäten nach der Schule teil, kommt nach Hause, kocht und isst, verbringt Zeit mit der tollsten zweiten Familie, die man sich wünschen kann und fällt zu guter letzt hundemüde in sein Bettchen. Ach und man träumt immer sehr verwirrend, von dem Leben vor dem Austauschjahr, dem Leben im Austauschjahr, in Deutschland, in Dänemark, mit vielen tollen lieben Menschen von verschiedenen Orten, und das auf drei Sprachen. Hört sich wie normaler Alltag an. Ist es auch. Nur eben Austauschschüleralltag. Das anstrengende und tolle zugleich dabei ist, dass man immer einer Sprache lauscht, die man nicht flüssig spricht und die man Tag für Tag immer weiter erforscht. Und man ist immer aufgeregt wie ein kleines Kind, wenn man mal Smalltalk im Bus verstanden hat. Und ich muss sagen, dass ich inzwischen so ziemlich jeden Smalltalk verstehe und auch mitreden kann. Doch es ist immer eine Sache der Konzentration, denn man sucht manchmal ein Wort, von dem man die Bedeutung auf der eigenen Sprache gerade nicht im Kopf hat und demnach auch nicht genau weiß, wie man sich jetzt am besten ausdrücken kann. Manchmal weiß man auch gar nicht mehr, was man nicht verstanden hat oder fragen soll. Es ist alles wie ein großes Abenteuer und ich bin sehr froh, das erleben zu dürfen! Es ist wie Schwimmen gegen den Strom und man sieht dabei die ganze traumhafte Unterwasserwelt und erfährt wortwörtlich die eigene Magie.

So langsam habe ich das Gefühl, das mein Leben hier wirklich normal geworden ist. Ich freue mich immer, wenn ich meine Austauschschüler Freunde sehe und wir wortwörtlich „Hygge“ (Gemütlichkeit) erleben. Denn Austauschschüler sind deine besten Freunde in deinem Austauschjahr. Wobei ich auch sagen kann, dass ich richtig gute Freunde in der Schule habe, die ich jeden Tag aufs neue so unglaublich gerne sehe und die mir immer mehr dänisch beibringen (und ich ihnen Deutsch). Auch mit meinen Geschwistern heir rücke ich immer näher beisammen und ich habe sie so sehr lieb gewonnen, von meinen Gasteltern kann ich auch nur schwärmen. Ja, ich muss schon sagen, es geht mir hier oben in Dänemark schon sehr gut 🙂

Das spannende an meinem Alltag ist, dass er größtenteils daraus besteht, dass ich immer noch – nach drei Monaten – jeden Tag neue Überraschungen erlebe. Es ist wie Zauberei oder Magie.

Stuen!

Am Abendessen reden wir mal wieder über Hausarbeiten. So müssen Rebecca, Laurits und ich unsere Zimmer staubsaugen. Also frage ich, nachdem ich mein Lunchpaket für den nächsten Tag fertig gemacht habe, wo denn der Staubsauger sei. Helene antwortet: I stuen. Also gehe ich in den nächsten Raum und suche. Nach einer Weile frage ich: Og hvor præcis? (Und wo genau?) Rebecca schaut mich fragend an und sagt lächelnd: In the living room. Ah! Natürlich „I stuen“ ist im Wohnzimmer und nicht im Abstellraum. Und schon wieder was gelernt. Na toll, genau in dem einen Wohnzimmer hier im Haus. (ich finde, man könnte drei Zimmer hier im Hause als Wohnzimmer bezeichnen) Also gehe ich in ein anderes Zimmer und werde einfach nicht fündig. Aber so schnell gebe ich nicht auf. So mache ich mich auf zum nächsten Raum. Und dann will ich gerade ins Esszimmer und nochmal fragen, als ich über etwas stolpere. Den Staubsauger. Super, endlich hab ich ihn und nun widmete ich mich auch schon meiner Lieblingsbeschäftigung! (das ist ein wenig ironisch gemeint 🙂 ) Also räume ich alle Sachen vom Boden meines Zimmers und staubsauge. Danach präsentiere ich Laurits mein vollbrachtes Werk und überreiche ihm den Staubsauger, wohlwissend, dass Laurits Staubsaugen genauso leidenschaftlich liebt wie ich.

Und das beste an allem: Mein Zimmer ist wieder blitzeblank!

Erste Sonnenstrahlen seit Tagen

Heute ging es in ein kleines Örtchen im Westen von Dänemark namens Ribe. Dort wurden erst einmal alle Winter Sport Outlet Läden besichtigt. Danach ging es ganz hoch hinauf auf einen Kirchturm. Natürlich wurden wir alle zum Umfallen erschreckt, als plötzlich die Glocken direkt neben uns beim Abstieg direkt im Turm anfingen zu bimmeln. Und weil wir so viele Treppenstufen gehen mussten, ließen wir uns gemütlich in einem kleinen Cafe nieder und aßen zu Mittag.

Da wir so nah am Meer waren – nun ja in Dänemark ist man so eigentlich immer höchstens eine halbe Stunde vom Meer entfernt – fuhren wir noch zu verschiedenen Stränden. Denn natürlich suchten wir uns den schönsten aus und entdeckten dann hier und da noch kleine Häfen. Und dann! Auf einmal spürte ich etwas warmes, sehr tolles auf meinem Gesicht. Ein Sonnenstrahl. Der erste seit über zwei Wochen. Und so ziemlich bei jeder Gelegenheit machten Laurits, Rebecca, Christian und ich Wettrennen, was dazu führte, dass wir uns den ein oder anderen Kakao, den wir gerade tranken über die Hose schütteten 🙂

Ferien und im Nebel aufwachen

Heute Nacht hat Rebecca bei mir im Zimmer übernachtet. Wir konnten gemütlich aufstehen. Warum? Weil Ferien sind! Doch das erste, was wir an diesem Morgen bemerkten, war, dass wir nicht wirklich etwas sahen, als wir aus dem Fenster schauten. Denn heute ist es nebelig. So nebelig, dass es fast nur weiß draußen ist.

Gestern haben wir zwei neue Mitbewohner bekommen. Sie sind groß, essen gerne Karotten und Äpfel und sind wunderschön. Ja genau, es sind Cindy und Paxi. Unsere beiden Pferde. Und zur Feier des Tages (nun ja eigentlich normal für einen Sonntag Nachmittag) haben wir unsere Nachbarn zu Kaffee und Kuchen eingeladen.

Kuchen hier in Dänemark ist immer dabei. Und sie sind so einfach zu machen. Und so lecker.

Hausaufgaben auf dänisch!

Ich sitze gerade mit Helene in unserem Wohnzimmer und wir arbeiten beide hyggelig mit einer Tasse Tee für jeden für die Schule bzw. Arbeit. Draußen ist es ungemütlich kalt und grau, was die Stimmung drinnen mit dem Radio noch entspannter macht. Nun bin ich schon über zwei Monate hier und natürlich kommt es mir nicht so lange vor. Aber das geht so ziemlich all meinen Austauschschüler Freunden so. Ich bin heute mit einem sehr guten Austauschschüler Freund, der auch auf meine Schule geht, im Bus nach Hause gefahren und es ist immer so schon über alle Erlebnisse zu reden, mit jemandem, der genau das Gleiche erlebt.

Ich habe heute meinen ersten großen Aufsatz auf dänisch vollbracht! Dafür habe ich jedes dritte Wort nachgeschlagen, Freunde und Familie gefragt. Ich habe für etwa eine Seite drei Tage gebraucht. Doch ich konnte alle meine Interpretationen in Worte fassen. Jetzt kann ich mit Rebecca durchlesen und ihn mit ihr verbessern. Wir haben am Wochenende schon den Anfang mal gemeinsam durchgelesen und es war schon sehr witzig, dass ich ihr ab und zu lange erklären muss, was ich eigentlich meine, bis sie verstanden hat, was ich genau mit meinen zusammengewürfelten Sätzen meine.

Doch nun ist er fertig, der Aufsatz. Und ich bin ein klitzekleines bisschen stolz, sodass dieser Artikel hier zustande gekommen ist 🙂

Es grünt

Es regnet. Und es windet. Das ist mit ein bisschen Kälte typisches Herbstwetter. Nun sitze ich in unserem Wohnzimmer mit einer Tasse Pfefferminztee und Radio. Ja das Radio läuft bei uns daheim 24 Stunden am Tag. Und es mit Helene zu hören ist ein Erfahrung für sich, da sie mir immer und zu jeden Lied eine Geschichte über den Sänger oder Dänemarks Geschichte erzählen kann 🙂

Ich versuche eigentlich gerade ein Englisch Essay für die Schule zu schreiben, bin aber an meinen eigenen Gedanken gescheitert. Dafür war die Rede von Barack Obama über Bildung dann doch zu spannend, um sie direkt zu analysieren. Denn er redet über die Eigenverantwortung eines jeden, sich selbst in der Schule und im Leben für die eigene Bildung und für die Welt zu engagieren. Denn ohne aufmerksame Schüler würde man seine eigenen Talente nicht entdecken. Manche Talente oder Leidenschaften schlummern noch im Dunkeln und warten noch darauf, entdeckt zu werden. Nun ja ich könnte noch ewig von dieser Rede schwärmen…

Doch leider fällt es mir schwer, sie für die Schule zusammenzufassen und zu analysieren. Aber was ja nicht ist, kann ja noch werden! (ein umgeformtes und übersetztes Zitat aus dieser Rede)

Während ich hier also sitze und auf den ultimativen Motivationsschub für meine Schularbeit warte, genieße ich den Pfefferminztee und schaue Christian beim Star Wars Fernsehen zu. Jetzt habe ich auch mal ein bisschen Zeit, auf die letzten Wochen zurückzuschauen. Es ist so unglaublich viel um mich herum und in mir selbst passiert. Ich hatte zwischendrin mal Geburtstag und einen wundervollen Tag gehabt, mit ganz viel Kuchen und Menschen, die an mich gedacht haben. Danke dafür! Am Wochenende danach, hatten wir das Haus gefüllt mit tollen Menschen. Darunter auch Austauschschüler, die ich seit dem Arrival Camp Anfang August nicht mehr gesehen habe. Auch die Sonne ließ sich zeigen und so hatten wir in unserer ganzen Euphorie des Wiedersehens am Abend ein Lagerfeuer. Ich habe auch an einem anderen Tag das Bogenschießen ausprobiert. Das war eher Zufall. Als ich mit Freunden in Odense war und – wer hätte das gedacht! – auf den Zug gewartet haben, war gerade das World Cup Finale im Park direkt vor der Station. Man konnte dort auch Bogenschießen für Neulinge ausprobieren und das ließen wir uns natürlich nicht entgehen. Auch war ich das erste Mal bei den dänischen Pfadis, den Spejder. Und ich weiß jetzt schon, dass ich ab jetzt jede Woche dort sein werde. Nun heißt es auch: Einmal Pfadfinder, immer und überall Pfadfinder. Ich freue mich schon, die ganzen Unterschiede, Neuheiten und den Pfadi-Spirit zu erkunden. Ich merke auch langsam aber sicher, dass ich mich ein wenig in das Landleben verliebe. Was nicht heißt, dass ich die Mobilität eines Stadtlebens vermisse, denn 7 km entfernt von der nächsten Bushaltestelle schränkt schon deutlich den Bewegungsradius ein. Doch ich liebe es, Tag für Tag aufzuwachen, auf mein Fahrrad zu steigen und den Bauern auf den Feldern Godmorgen zu sagen und immer die neuen Farben, die das Sonnenlicht erzeugt, zu sehen. Denn man merkt deutlich den Unterschied, ob gerade gemäht wurde und alles braun ist, oder ob wieder gesät wurde und alles sich in eine gemütlich grüne Landschaft verwandelt.

Ich erinnere mich auch an ein Zitat von einer Austauschschüler Freundin von mir: Du weisst nicht, dass du es suchst, du findest es einfach in deinem Austauschjahr