Und nun wird es wieder heller :)

Weihnachten ist vorbei und wir haben wieder Ferien. Seit dem 21. Dezember werden die Tage wieder Stück für Stück heller. Ein Geburtstag von Helene steht bevor und bald ist auch Neujahr. Ich habe mit einem Großteil meiner Familie an Weihnachten geredet. Hier in Dänemark und über unsre moderne Technologie auch nach Wien. Ich habe Weihnachten sozusagen gleich zweimal erlebt. Und ich ich weiß, die nächsten Jahre werde ich Traditionen aus Dänemark und Familie Seefeldt mitnehmen, z. B. Pakkelege, Riesalamande oder um den Weihnachtsbaum tanzen und dabei singen.

Wir haben seit ein paar Tagen Ferien und ich freue mich jetzt schon auf viele Freunde in der Schule. Meine Geschwister und ich verbringen viel Zeit miteinander, was sich gut in den Ferien einrichten lässt. Und einfach Vormittags mit der ganzen Familie im Wohnzimmer (i stuen) zu sitzen und Lego zu spielen oder Bücher lesen (ich habe schon fast das neue Harry Potter Buch auf Dänisch, dass ich zu Weihnachten bekommen habe, fertig). Zwar müssen Philipp und Helene bald oder schon wieder arbeiten, aber wir genießen dennoch hyggelige Tage.

Und was immer mehr auffällt, dass Weihnachten – wie ich schon schrieb – nun langsam vorbei ist. Ich erinnere mich noch, wie ich vor Weihnachten immer sagte, dass ich über  viele Sachen, die nach meinem Austauschjahr auf mich warten, erst nach Weihnachten reden will. Zwar kann ich jetzt noch sagen, dass ich noch bis nach Neujahr warte, doch auch das ist nicht mehr so lange weg. Und dann fällt mir auf, wie strukturiert und geplant wir, bzw. ich bin.

Hierzu ein Rückblick: Ich erinnere mich noch gut, wie mein Kalender voll mit Terminen oder Treffen war. Bis zu dem Tag meiner Abfahrt nach Dänemark. Danach war dann nichts mehr. Auch jetzt ist mein Kalender nicht sehr gefüllt. Was aber eher daran liegt, dass ich viele Dinge äußerst spontan beschließe, also meistens erst dann, wenn ich sie eh schon in Angriff genommen habe. Ich weiß morgens nie, was der Tag so bringt und auch in der Schule weiß ich meistens erst am Abend davor, welche Fächer ich habe und wie lang ich in der Schule bin.

Doch obwohl das Leben hier von vornherein spontan ist, füllt sich mein Kalender immer mehr und mehr mit Ereignissen. Auch treffe ich mich immer häufiger mit neuen Freunden oder erlebe einfach den Alltag. Alles ist so normal und ich kann mich nirgend wo anders vorstellen. Und am liebsten würde ich im Moment bleiben. Da beginne ich am besten damit, hier und jetzt zu genießen und mich auch gleich zu freuen. 🙂

Frohe Weihnachten euch allen und kommt gut ins neue Jahr.

Ein paar Momente …

… die ich gerne festhalten möchte 🙂

„Es ist morgens. Es ist dunkel. Es ist ein Schultag. Also egal, dass wir alle sehr müde sind. Ich stehe auf, mache mich fertig für den Tag, gehe zum Frühstück. Danach beginnt die allmorgendliche Hektik, ob auch wirklich jeder alles für den Tag dabei hat – und bei sechs Menschen ist das eine Menge Fragerei. Ach ja und die Hühner, unser Hund Luna und unsere Katze Thea werden noch versorgt. Dann steigen wir Kinder alle ins Auto. Beim losfahren schaue ich aus dem Fenster und bemerke den wundervollen scheinenden und klaren Vollmond – denn es ist immer noch stockdunkel. Nachdem Laurits und Rebecca in der Schule abgesetzt haben, setzt Helen Christian und mich am Kindergarten ab, von dem ich dann die letzten Meter zur Bushaltestelle gehe. Und wieder sehe ich ihn, den hellscheinenden Mond. Doch jetzt sind schwarze Wolken vor ihn getreten. Was für ein Naturphänomen.“

Eine andere Szene ein paar Tage später:

„Es ist Freitag. Heute ist ein gemütlicher Tag, da wir nicht so viel und lange Schule haben. Als letztes haben wir Mathe. Wir alle sind müde. (ein dänischer Winter-Dauerzustand – und vermutlich nicht nur in Dänemark) Wir haben Gruppenarbeit – oh was für eine Überraschung (Ironie)! Eine Freundin und ich setzten uns zusammen und so machen wir uns an die Aufgaben. Doch zuerst versucht sie mir mit Händen und Füßen zu erklären, was genau die Aufgabe von uns will. Danach versuchen wir unser Glück und fangen an, irgendwelche Graphen zu zeichnen. Gemeinsam sitzen wir da und hören dänische Musik. Ich versuche mehr die Texte zu entziffern und schaue aus dem Fenster und betrachte den wunderschönen Sonnenuntergang. Was für ein Gemütlichkeitsphänomen.“

Eine weiter Szene an einem Abend:

„Wir sitzen gemeinsam am Esstisch. Dann springt Rebecca auf und sagt, dass gleich der erste Julekalender anfängt. (Hierzu ein paar Worte: In Dänemark gibt es im Fernsehen immer verschiedene Julekalender. Diese haben eine Handlungsgeschichte auf 24 Tage aufgeteilt. Jeden Abend laufen diese im öffentlichen Fernsehen und ganz Dänemark schaut diese an. Am Tag danach wird dann immer wild in der Schule darüber diskutiert, was wohl geschehen wird.) Da der Julekalender demnach bald beginnt, räumen wir den Tisch ab und machen es uns – Rebecca, Laurits, Christian und ich – im Wohnzimmer (i Stuen 🙂 ) gemütlich. Als der zweite Julekalender anfängt, kommt auch Helene dazu und wenig später auch Philip. Luna liegt vor dem Fernseher auf dem Rücken (was äußert amüsant zu betrachten ist). Thea sitzt auf Rebeccas Schoß – einer ihrer Lieblingsplätze. Die ganze Familie ist beisammen und folgt dem Julekalender. Einfach gemeinsame einzigartige Hygge.“

H. C. Andersen und Thai

Am Wochenende hatten wir alle keine großen Pläne. Also habe ich mich spontan mit zwei Freundinnen aus Thailand in Odense getroffen und gemeinsam haben wir uns zu all den anderen vielen Menschen gesellt und die Stadt in Weihnachtsstimmung erkundet. Dass heißt dann, dass es einen großen Weihnachtsmarkt mit süßen Ständen und Leckereien zu besuchen gab. Angeschlossen an diesen war auch ein kleinerer mittelalterlicher Weihnachtsmarkt, auf dem eine Gruppe von Pfadfindern und älteren Damen in Mittelalter-Trachten sangen und Æbleskiver auf Lagerfeuer zubereiteten. (Æbleskiver ist das typisch dänische Weihnachtsgepäck, vergleichbar mit der Münchner Auszogene nur in Bällchenform und genauso fantastisch lecker)

Ich liebe es einfach, auf einem Weihnachtsmarkt zu sein, wo ganz viele Menschen bummeln und es die ganze Zeit nach Weihnachtsnaschereien duftet. Unser Weg führte uns dann in Richtung Stadt Zentrum. Doch nicht ohne dass unsere Aufmerksamkeit von einem kleinen Freilufttheater gebunden wurde. Denn wie es die Tradition ist, wird jedes Adventwochenende vor Hans Christian Andersens Haus (in Dänemark nur: H. C. Andersen) immer ein kleines Theaterstück aufgeführt vor dem sich dann Massen an Kindern mit ihren Eltern versammeln. Aber da wir alle noch nicht im H. C. Andersen Hus waren und der Eintritt für alle Kinder kostenlos ist, ließen wir uns diese Gelegenheit nicht entgehen und tauchten ein in eine Welt voller Märchen.

Nachdem wir sowohl das Haus von H. C. Andersen von innen erkundeten, als auch die 20 Matrazen aus dem Märchen der Prinzessin auf der Erbse und den Spiegel aus des Kaisers Kleider entdeckten, waren wir bärenhungrig. Da Angie in Odense wohnt, kannte sie ein sehr süßes Thai-Restaurant. Doch sie kennt nicht nur das Restaurant, sie kennt auch die Köchin. Und so redeten Angie und Mai, meine beiden Thai-Freundinnen, mit der Köchin auf Thai, während wir die beste Thai-Küche von ganz Dänemark genossen.

Auch am Tag danach war ich mit meiner Familie auf einem sehr süßen sehr kleinen Weihnachtsmarkt und haben nochmals Æbleskiver gegessen. Hier werden Æblerskiver so lange und so viel gegessen, bis jeder sie nicht mehr sehen kann und man demnach bis nächstes Weihnachten warten muss. Ich genieße es jedenfalls, denn so bekomme ich auf jedem kleinen weihnachtlichen Anlass welche. 🙂

Ein paar Bilder vom Wochenende sind in der Galerie zu finden.

Vorweihnachtszeit

Wir gehen gemeinsam in die Kantine. Es ist nicht Mittagspause, aber die erste kleine Pause, also Zeit genug, zwischen dem Raumwechsel sich gemütlich in die Kantine zusetzten und zu reden. Einige von den Mädchen setzten sich schon einmal an einen unserer Lieblingstische. Wir anderen stellen uns in die lange Schlange vor dem Kiosk. Ich kaufe mir ein leckeres warmes und duftendes Schokocroissant. Gemeinsam mit einer Freundin von mir gehen wir zu unserem Tisch. Alle haben ein Croissant, eine Mandarine oder einfach nur einen Kakao. Die Kantine ist gut gefüllt mit vielen schnakernden Schülern. Ich lehne mich auf meinem Stuhl zurück. Eine meiner Freundinnen sagt: „Aj hvor hyggeligt!“ Das kann man nicht übersetzten. Sinngemäß würden es pure Gemütlichkeit und Gemeinschaftsgefühl wahrscheinlich am ehesten treffen. Eigentlich wie jede Pause und somit jeder Schultag. Doch etwas Neues ist auch dabei. Wir reden über Weihnachten und über Julekalender. Das war ungefähr vor einem Monat, jetzt stecken wir ja wirklich in der offiziellen Vorweihnachtszeit. Wobei ich zugeben muss, dass die Vorweihnachtszeit schon im Oktober anfängt. Auch dachte ich, dass wir in Deutschland viele Weihnachtstraditionen haben, aber da habe ich noch kein Weihnachten – oder zumindest die Vorweihnachtszeit – in Dänemark erlebt. Es ist eine Zeit voller Traditionen, Hygge und Magie.