Ein ganzes halbes Jahr…

… und ein ganz neues Leben! Das sind die Stichworte, die mich gerade direkt ins Herz treffen. Ich werde heute umziehen. Warum genau, dass ist eine andere Geschichte, die ich ein anderes Mal erzählen werde. Klar ist auf jeden Fall, dass wir, meine Familie Seefeldt und ich, die schönsten letzten Tage zusammen hatten. Natürlich bin ich sehr nachdenklich und traurig und ich werde meine Geschwister, Rebecca und Laurits und Christian ordentlich vermissen – auf die angenehme Art. 🙂
Ich habe gestern den Versuch vollendet, alle meine viel zu vielen Sachen in ein paar Taschen zu packen. Und dann fällt mir auf, dass da ein 1/2 Jahr Dänemark drinnen steckt. Und ich erinnere mich gerne an alle die tollen Momente und Erinnerungen, die ich von einem meiner inzwischen mehreren zweiten Zuhause mitnehme. Ich erinnere mich gut daran, wie ich Angst vor Hunden hatte und unsere Hündin Luna mir ein wohles Gefühl in der Gegenwart von lieben Tieren zu haben beibrachte. Ich erinnere mich gut an eines der vielen guten Gespräche mit meinem Gastpapa Philipp, der in der Schweiz auch umringt von Bergen aufgewachsen ist. Er zeigte mir, dass er in den Wolken und Wäldern in der Ferne Berge sehen kann. Nun schaue ich in die Ferne und sehe unsere Alpen. Ich erinnere mich daran, wie Rebecca und ich unsere ersten Mädchen Gespräche hatten oder Laurits und ich uns über Fußball stritten und er mir so viele gutaussehenden Fußballer zeigte. Und ich erinnere mich mit Tränen in den Augen daran, wie Christian meinte, dass wir die gleiche Mutter haben und ich seine große Schwester bin. Und ich erinnere mich gerne an die vielen einzigartigartigen Gespräche mit meiner Gastmutter Helene. Nun heißt es Abschied nehmen und das fällt nicht leicht. Und dann ist es normal wie immer, hier zu sein.
Ich reiße wie ein Pfadi mit Rucksack und Gitarre. Ich reise wie meine Familie mit vielen Tüten. Ich reise wie YFU  behütet. Ich reise wie ich immer mit Augen offen für Neues.
Und heute, ein ganz neues Leben. Ja, das ist ein Buchtitel von einem sehr schönen berührenden Buch. Nicht dass ich mein Leben damit vergleiche, das geht auch gar nicht.
Ich freue mich sehr auf meine neue Familie, mit der ich schon fleißig süße Worte geschrieben habe. Und damit wünsche ich euch allen einen wunderschönen Tag und ihr hört von mir aus meinem neuen Zuhause. ❤

dsc_0210
Ein schönes erstes zweite Zuhause in Dänemark

5.5 Monate

Ich erinnere mich noch gut daran, als ich das erste Mal mit dem Zug hier in Dänemark gefahren bin. Das war gleich in meiner ersten Woche. Ich habe mich richtig gefreut, einfach nur da zu sitzten und alle Eindrücke auf mich einwirken zu lassen. Ich habe jedes Wort, dass die Leute um mich herum gesprochen haben oder welches aus den Lautsprechern kam, wie ein Schwamm aufgesogen. Wahrlich habe ich noch nichts verstanden. Mir ist aufgefallen, dass es sehr ruhig war und man sich wenn überhaupt mit gedämpfter Stimme unterhalten hat. Immer wenn jemand durch den Zug gelaufen ist und durch die Tür ging, hat er oder sie zuerst die Hand an den Türrahmen gehoben bevor die Tür automatisch aufschwang. Heute, fünfeinhalb Monaten später (es ist genau Halbzeit meines tollen Austauschjahres), steige ich wieder einmal in den Zug. Ich gehe durch die Wägen und suche mir einen Platz. Bei den Türen hebe ich meinen Arm an den Türrahmen. Ich habe einen gemütlichen Platz ergattert. Heute ist der Zug rappelvoll, doch die lautstärke ist gedämpft. Manche unterhalten sich leise. Manchmal lausche ich hier und da und verstehe jedes Wort und höre, ob der- oder diejenige vom Akzent her von Fynen kommt oder von woanders. Dies alles passiert wie nebenbei, ohne dass ich mich darauf konzentriere oder es gar merke. Erstaunlich, dass dies alles nur in fünfeinhalb Monaten passierte. Und so geht es mir nicht nur, wenn ich mit dem Zug fahre. Meine blaue Brille wird immer bunter, geprägt von mehr als nur einer Kultur. Danke Familie, danke Freunde, danke Pfadis, danke YFU.

Godt nyt år

Allem voraus wünsche ich all den tollen Menschen, die ich kenne, ein schönes neues Jahr. Nachdem es gestern noch düster und nebelig war, beginnen wir heute das Jahr mit den schönsten Sonnenstrahlen.

Heute hatte ich ein sehr imponierendes Gespräch über das Schulsystem, die Sprache und die Nationalität in verschiedenen Ländern – mit einem erheblichen Fokus aus Deutschland, Dänemark und die Schweiz. Ein Zitat, welches mich zum Nachdenken gebracht hat: „Tysker er mere tysk når det er i udlandet.“ (Deutsche sind mehr deutsch, wenn sie im Ausland sind.) Denn es stimmt, dass es nicht wichtig ist, woher du kommst, bevor du woanders bist. Solange ich in Deutschland bin, reden wir nicht darüber, was wir an Weihnachten traditionell essen oder wie wir traditionell Silvester feiern. Nein, über all dass denke ich erst so intensiv darüber nach, seit ich hier in Dänemark das erste mal Weihnachten und Silvestern nicht daheim bei meinen Eltern und meinem Bruder feiere. Jetzt ist es auf einmal interessant, dass wir in Deutschland alle verschiedene Weihnachtstraditionen und Weihnachtsgerichte haben. Und genauso verwundert wie meine Klassenkameraden, wenn ich ihnen von meinen Familien Traditionen berichte, bin ich wenn sie mir alle das Gleiche über ihre Familientraditionen erzählen. Auch die dänische Flagge hat eine lange alte Tradition, auf die Dänen stolz sind und die Flagge auch ein wichtiger Bestandteil für Feiern ist.

Auch eine andere Sache ist mir aufgefallen. Wenn man in einem Land besondere Anlässe miterlebt, dann ist man danach ein Stück weit mehr ein Teil der Kultur. Ich selbst habe solche magischen Momente schon erleben dürfen. Der Nationalfeiertag in der Schweiz mit einem großen Lagerfeuer und Himmelslaternen. Der Gedenktag für Hiroshima in Japan mit den drei Minuten voller Stille. Weihnachten und Silvester in Dänemark, als dann alle Dänen bei der Neujahrsrede von der dänischen Königen aufgestanden sind und eine magische Stimmung des Zusammenhalts herrschte.

Ein frohes Neuen Jahr!